Die um die Mitte des Jahrhunderts in Erscheinung getretenen
philosophischen Erkenntnisse kamen erst jetzt zu voller Wirkung.
.: CHARLES DARWIN
Abstammungslehre, die die biologischen Arten durch natürliche
Auslese entstanden sein ließ.
.: HERBERT SPENCER
auch die moralischen Vorstellungen gründen sich auf
ererbte Erfahrungen, und zwar des Nützlichen.
Gut sei, was der Selbsterhaltung des einzelnen und der
Gruppe diene, schlecht, was schädige
Sowohl er, als auch JOHN STUART MILL behaupteten, daß
der Wert oder Unwert der Handlungen von den Folgen abhänge,
die sie für die Gesellschaft haben
Beide gingen auf den Positivismus AUGUSTE COMTEs zurück
- Erfahrung als die Basis menschlichen Wissens; nur das empirisch
Gegebene und wissenschaftlich Gesicherte soll Gültigkeit
haben.
Die exakten Naturwissenschaften wurden als vorbildlich angesehen
- man versuchte deren Methode und Denkform auf die Geisteswissenschaften,
Künste und Literatur zu übertragen.
Unter den Wissenschaften ließen sie nur die Naturwissenschaften
und die Soziologie gelten.
Psychische Äußerungen des Menschen seien eine
Funktion des körperlichen Mechanismus.
.: JOHN STUART MILL
"Der Bruch der Naturalisten mit der Tradition führte
zu einer emanzipatorischen Kritik an der bürgerlichen
Familie und an der Stellung der Frau." (Sorensen)
Charakteristische Schrift: "The subjection of
women" (STUART MILL)
In IBSENs naturalistischer Dramen stehen diese Fragen
im Mittelpunkt
GABRIELE REUTER führt die emanzipatorische Tendenz
in Romanen weiter "Aus guter Familie, Leidensgeschichte eines Mädchens"
(1895) - die seelische und körperliche Not der
Frauen wird dargestellt.
.: HIPPOLYTE TAINE
übertrug den Positivismus auf die Beurteilung von
Geschichte und Kunst. (Philosophie de l´art)
Bestimmender Einfluß von
race (Abstammung, Erbanlagen),
milieu (gesellschaftliche Umwelt),
temps (geschichtlicher Zeitpunkt und Standort)behauptete
Starker Einfluß auf die Kunstanschauungen des Naturalismus
Summe dieser Philosophie:
Loslösung vom Transzendenten
Die Sinne und Triebe, allenfalls der Intellekt regieren
den Menschen.
Er ist eingespannt in einen naturgesetzlichen, "determinierten"
Ablauf der Dinge, es gibt keine Willensfreiheit.
Der Staat des Imperialismus erschien als Unterdrücker
des Individuums.
Forderung (besonders von der Literatur-Kritik): konsequente
Befolgung der realistisch-materialistischen Erkenntnisse
Konsequente Form bald abgelöst.
Die im Realismus zusammengezwungenen Tendenzen zur subjektivierenden
sowohl wie zur objektivierenden Gestaltungsweise trennten
sich am Ausgange des 19. Jh. voneinander
Naturalismus (Tendenzen zur Darstellung des "objektiv
Gegebenen" noch radikaler) und
seine Gegenströmungen (Tendenzen zur Ausgestaltung
der "subjektiven Wahrnehmungen")