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Zeitliche Begrenzung, Charakterisierung
Die Dichtung der Klassik im engeren Sinne, die Hochklassik,
beginnt mit GOETHEs italienischer Reise (1786-1788).
Die zum Teil schon ausgearbeiteten Dramen (Egmont, Iphigenie,
Tasso) erfuhren Umarbeitung im klassischen Sinne (Natur-
und Gefühlsschwärmerei des Sturm und Drang überwunden.).
Zur gleichen Zeit näherte sich SCHILLER der Klassik.
Streng genommen endet es sich nach wenigen Jahren - die Nachwirkung
dauert aber lange. (Schon Zeitgenossen wie JEAN PAUL und HÖLDERLIN,
aber auch GOETHE in späteren Jahren entziehen sich eng
begrenzender Einordnung.).
Klassik klassisch
classicus (lat.) klassisch:
etwas Bevorzugtes, und allmählich gleichbedeutend mit
auch auf ideellem Gebiet Mustergültigem. In der Neuzeit
die Bedeutung klassisch = antik oder antikisch, meist gleichzeitig
vorbildlich, nicht zu übertreffen.
Gegenüber dem allmählich verwässerten Begriff:
klassisch = nur der aus Kunst und Weltanschauung erwachsene
Stil der Dichtkunst jener Jahrzehnte (Gipfel der seit der
Renaissance wirkenden antikisierenden Kunstauffassung).
Es gibt auch andere Abgrenzung:
sog. `Goethezeit`, von der überragenden Dichterpersönlichkeit
aus gesehen
(es umgreift zugleich Sturm und Drang und wesentliche Teile
der Romantik.).
Deutsche Bewegung - ebenso umfassende Bezeichnung.
(Von 1786 an schon eine zweite Phase: nach dem Durchbruch
irrationaler Kräfte und Wirklichkeitsnähe im Sturm
und Drang - erstrebte eine neue auf die Persönlichkeit
gegründete Ordnung und Einordnung).
Die Zeit steht auch im Zeichen des deutschen Idealismus. (zwischen
1780 und 1830 geschaffene philosophische Systeme).
Charakteristisch
Gegenüber der Romantik ist die Kunst auf geschlossene
Form, Vollendung gerichtet im Gegensatz zu der Unendlichkeit
der romantischen Universalpoesie.
Klassische Dichtung
Die Statik des in sich ruhenden guten und schönen Menschen,
die Ausbildung reinster Menschlichkeit im Dienst der gesamten
Menschheit und
eine harmonische Ubereinstimmung von Gemüt und Verstand
(wie WILHELM VON HUMBOLDT) -
auch eine Zeit und Dichtung der Humanität genannt.
Politischer Hintergrund
Bestimmend:
Französische Revolution und ihre Wirkung auf das übrige
Europa und
der Aufstieg und die Persönlichkeit NAPOLEONs.
Die Macht Preußens geht zurück.
Das Kunstideal
Bändigung, Formung, Normung.
SCHILLER:
Schönheit: Freiheit in der Erscheinung, Harmonie zwischen
sinnlichem Trieb und dem Gesetz der Vernunft.
Die naive Dichtung, der realistische Dichter, fühlt sich
noch im Zusammenhang mit der Natur.
Die sentimentalische Dichtung ringt um die verlorengegangene
Einheit ("Über naive und sentimentalische Dichtung").
JEAN PAUL:
Neben dem Schönen und Erhabenen betont er die Wichtigkeit
des Humors,
der aus Weltüberlegenheit und Weltliebe besteht (Vorschule
der Ästhetik).
Kunstgegenstand nach klassischer Auffassung:
nicht die Lebendigkeit, sondern die Gesetzlichkeit des Lebens
nicht die Wirklichkeit, sondern die Wahrheit.
GOETHE:
Der Dichter muß auch in der individuellen Gestalt den
Typus erkennen lassen und dem Typus durch die individuelle
Gestalt Leben verleihen.
Der klassische Roman
sucht nach einer zusammenfassenden Neugestaltung des Lebens
aus dem Geiste des deutschen Idealismus.
Der Bildungsroman wurde damit symbolischer Ausdruck der Zeit
(BORCHERDT).
Der klassische Stil drang auch in die epischen Idyllen und
Balladen.
SCHILLER wirkt nicht so sehr das Leben, wie das Erkennen der
Welt.
Seine Lyrik des Gedankens durchtränkte das alte Lehrgedicht
mit eigener Philosophie.
SCHILLER stellt in den Balladen allgemeine moralische Gedanken
an anekdotischen Stoffen dar.
GOETHE beseelte die lange im Innern gehegten Stoffgebilde
durch eigene Ideen (Ermatinger).
HÖLDERLIN:
Gegenstand der Lyrik fast ausschließlich das Erhabene,
das verlorene und das wieder ersehnte Göttliche.
Der Stil ist monologisch, orphisch.
Versmaße:
Zunächst freie Rhythmen, dann starke Anlehnung an antike
Metren bzw. gebundene romanische (Stanze, Sonett) und morgenländische
Formen.
Zur Zeit der Klassik löst allmählich den gelehrten
Dichter des 17. und frühen 18. Jahrhunderts der vom Schreiben
lebende Berufsautor ab.
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