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Deutsche Literatur
» Klassik | Romantik | Biedermeier und Vormärz | Naturalismus | Gegenströmungen zu Naturalismus | Literatur zw. 1925-1950
Klassik - 1786-1832

Zeitliche Begrenzung, Charakterisierung

Die Dichtung der Klassik im engeren Sinne, die Hochklassik, beginnt mit GOETHEs italienischer Reise (1786-1788).

Die zum Teil schon ausgearbeiteten Dramen (Egmont, Iphigenie, Tasso) erfuhren Umarbeitung im klassischen Sinne (Natur- und Gefühlsschwärmerei des Sturm und Drang überwunden.).

Zur gleichen Zeit näherte sich SCHILLER der Klassik.

Streng genommen endet es sich nach wenigen Jahren - die Nachwirkung dauert aber lange. (Schon Zeitgenossen wie JEAN PAUL und HÖLDERLIN, aber auch GOETHE in späteren Jahren entziehen sich eng begrenzender Einordnung.).



Klassik – klassisch


’classicus’ (lat.) ’klassisch’: etwas Bevorzugtes, und allmählich gleichbedeutend mit auch auf ideellem Gebiet Mustergültigem. In der Neuzeit die Bedeutung klassisch = antik oder antikisch, meist gleichzeitig vorbildlich, nicht zu übertreffen.

Gegenüber dem allmählich verwässerten Begriff: klassisch = nur der aus Kunst und Weltanschauung erwachsene Stil der Dichtkunst jener Jahrzehnte (Gipfel der seit der Renaissance wirkenden antikisierenden Kunstauffassung).

Es gibt auch andere Abgrenzung:
sog. `Goethezeit`, von der überragenden Dichterpersönlichkeit aus gesehen
(es umgreift zugleich Sturm und Drang und wesentliche Teile der Romantik.).
Deutsche Bewegung - ebenso umfassende Bezeichnung.
(Von 1786 an schon eine zweite Phase: nach dem Durchbruch irrationaler Kräfte und Wirklichkeitsnähe im Sturm und Drang - erstrebte eine neue auf die Persönlichkeit gegründete Ordnung und Einordnung).
Die Zeit steht auch im Zeichen des deutschen Idealismus. (zwischen 1780 und 1830 geschaffene philosophische Systeme).

Charakteristisch

Gegenüber der Romantik ist die Kunst auf geschlossene Form, Vollendung gerichtet im Gegensatz zu der Unendlichkeit der romantischen Universalpoesie.

Klassische Dichtung

Die Statik des in sich ruhenden guten und schönen Menschen,
die Ausbildung reinster Menschlichkeit im Dienst der gesamten Menschheit und
eine harmonische Ubereinstimmung von Gemüt und Verstand
(wie WILHELM VON HUMBOLDT) -
auch eine Zeit und Dichtung der Humanität genannt.

 Politischer Hintergrund

Bestimmend:
Französische Revolution und ihre Wirkung auf das übrige Europa und
der Aufstieg und die Persönlichkeit NAPOLEONs.

Die Macht Preußens geht zurück.

Das Kunstideal

Bändigung, Formung, Normung.

SCHILLER:

Schönheit: Freiheit in der Erscheinung, Harmonie zwischen sinnlichem Trieb und dem Gesetz der Vernunft.
Die naive Dichtung, der realistische Dichter, fühlt sich noch im Zusammenhang mit der Natur.
Die sentimentalische Dichtung ringt um die verlorengegangene Einheit ("Über naive und sentimentalische Dichtung").

JEAN PAUL:

Neben dem Schönen und Erhabenen betont er die Wichtigkeit des Humors,
der aus Weltüberlegenheit und Weltliebe besteht (Vorschule der Ästhetik).
Kunstgegenstand nach klassischer Auffassung:
nicht die Lebendigkeit, sondern die Gesetzlichkeit des Lebens
nicht die Wirklichkeit, sondern die Wahrheit.

GOETHE:

Der Dichter muß auch in der individuellen Gestalt den Typus erkennen lassen und dem Typus durch die individuelle Gestalt Leben verleihen.

Der klassische Roman
sucht nach einer zusammenfassenden Neugestaltung des Lebens aus dem Geiste des deutschen Idealismus.
Der Bildungsroman wurde damit symbolischer Ausdruck der Zeit (BORCHERDT).

Der klassische Stil drang auch in die epischen Idyllen und Balladen.


SCHILLER wirkt nicht so sehr das Leben, wie das Erkennen der Welt.
Seine Lyrik des Gedankens durchtränkte das alte Lehrgedicht mit eigener Philosophie.

SCHILLER stellt in den Balladen allgemeine moralische Gedanken an anekdotischen Stoffen dar.

GOETHE beseelte die lange im Innern gehegten Stoffgebilde durch eigene Ideen (Ermatinger).

HÖLDERLIN:
Gegenstand der Lyrik fast ausschließlich das Erhabene, das verlorene und das wieder ersehnte Göttliche.
Der Stil ist monologisch, orphisch.

Versmaße:
Zunächst freie Rhythmen, dann starke Anlehnung an antike Metren bzw. gebundene romanische (Stanze, Sonett) und morgenländische Formen.

Zur Zeit der Klassik löst allmählich den gelehrten Dichter des 17. und frühen 18. Jahrhunderts der vom Schreiben lebende Berufsautor ab.

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