|
- Ekstatik des Expressionismus verbraucht
- Versuch erneut einer Realität anzunähern
- Statt Pathos der Sprache - Nüchternheit und Distanzierung
- Skeptisches, selektives oder ideologisch bestimmtes Verhältnis
der Autoren zur sogenannten Wirklichkeit
.: "Neue Sachlichkeit"
- Zuerst 1925 von GUSTAV FRIEDRICH HARTLAUB auf Objekte
einer Kunstausstellung angewandt
- unterstrich den Gegensatz zur spekulativen expressionistischen
und abstrahierenden Kunst.
.: "Expressiver Naturalismus"
- Verknüpfung der positivistischen Objektivität
mit der durch den Expressionismus gewonnenen Subjektivität
zum Ausdruck gebracht.
.: "Magischer Realismus"
- Einbeziehung des Über- und Außerwirklichen
betont.
.: Charakteristisch:
- Weltanschauliche Zerstrittenheit
- Ökonomische Not
- Politische Auseinandersetzungen
- Schließlich Umsturz, Verfolgung und Krieg
Die von der Philosophie seit NIETZSCHE gestellte Seinsfrage
wird immer dringlicher.
Das Sein erscheint der modernen Existentialphilosophie als
verschlossen - MARTIN HEIDEGGER, oder nur punktuell berührbar
und nicht betretbar - KARL JASPERS.
Der Mensch ist vom Sein entfernt, ist in ein Nichts hinausgestoßen,
den Dingen entfremdet.
(Schon im Laufe des 19. Jh. ging die metaphysische Sicherheit
/ Bindung an ein Transzendentales verloren - jetzt beginnt
auch die Sicherheit seines realistischen physikalischen Weltbildes
zu wanken Ü Relativitätstheorie, Quantentheorie,
Atomphysik)
Der die positivistische Epoche des späten 19. Jh. bestimmende
Determinismus wurde überwunden
Selbst der Gegenstand der naturwissenschaftlichen Forschung
wurde als durch den Zugriff der Methode veränderlich
erkannt WERNER HEISENBERG: "das naturwissenschaftliche
Weltbild hört damit auf, ein eigentlich naturwissenschaftliches
zu sein"
SIEGMUND FREUD ist mit den Werken "Traumdeutung"
und "Psychopathologie des Alltagslebens" in die
Schichten des Unbewußten vorgestoßen
Wirkung nicht nur im Stoff und in der Problemstellung zu sehen;
sondern auch in der Darbietungsweise: Traum und assoziative
Wortwahl (zwei fruchtbare Mittel der Seelenanalyse).
Antwort des seines Haltes beraubten Menschen:
1. Ästhetisierung des Lebens, Anerkennung
der Kunst und der schöpferischen Arbeit als Überwindung
des Nichts.
(Schon von FRIEDRICH NIETZSCHE eingeschlagener Weg)
GOTTFRIED BENN: "Auf der einen Seite immer der tiefe
Nihilismus der Werte, aber über ihm die Transzendenz
der schöpferischen Lust."
Einschätzung der Kunst und des Künstlers geht bei
GOTTFRIED BENN und THOMAS MANN auf den Impressionismus der
Jahrhundertwende zurück.
"Nihilismus der Werte", oder das Schwanken zwischen
den Werten ("Ambivalenz"),
ist schon in der impressionistischen Lebensform mit ihrer
Hingabe an den Augenblick und ihrem Genuß der Verwandlung
vorgeprägt.
Der von ERNST BLEULER 1910 geprägte und von SIGMUND FREUD
in sein System ("Totem und Tabu") übernommene
Begriff der Ambivalenz sind zum Kennzeichen des vorherrschenden
Menschentyps geworden.
2. Das durch bisherigen Fortschritt begründbare Vertrauen
auf die Wirksamkeit von Rationalität, Liberalität,
Humanität.
3. Rückkehr des autonom gewordenen Menschen zu seiner
transzendentalen Bindung, Suche nach der verlorenen Mitte
(HANS SEDLMAYR "Verlust der Mitte").
Eine Grundlage für diese Erneuerung lag in der erst im
20. Jh. vollzogenen Rezeption der Werke SÖREN KIERKEGAARDS.
(Wirkte auf die Existentialisten und Kafka, auf die moderne
christliche Theologie und Literatur.)
Der Erneuerung des religiösen Bewußtseins war auch
die Überwindung des wissenschaftlichen Positivismus günstig.
Die moderne christliche Literatur will die existentielle Not
nicht negieren, sondern interpretiert sie als Widerstreit
des göttlichen und teuflischen Prinzips und weist, dem
Christen seinen festen Platz in diesem Kampf an. Sie lehnt
die nur-ästhetische Auffassung der Kunst ab.
4. Die Besinnung auf eine diesseitige Einordnungsmöglichkeit
oder Gruppenzugehörigkeit versprach auch die Überwindung
der individuellen Existenznot. - Weimarer Zeit
(der Gemeinschaftsgedanke verhieß: Einheit, Stärke,
Macht und innere Geschlossenheit [KURT SONTHEIMER])
Als Leitbilder konkurrierten:
- konservative
- konservativ-revolutionäre
- progressiv-revolutionäre
Für die Vorläufer der "volkhaften Dichtung"
bestimmend
(verstanden sich als Opposition zu ästhetisierender,
"dekadenter" und "artfremder" Literatur):
- einige auf die Romantik zurückgehende Vorstellungen
von dt Volkstum, Dichtung und Dichtertum
- Betonung des "Ahnenerbes", Bäuerlichen
und Bodenständigen
- Überzeugung von der Gültigkeit bestimmter "Ordnungen"
- heroisierende Auffassung des "Soldatischen"
- biologische Bewertbarkeit des Menschen
- Sogenannte konservativ-revolutionäre Einzelgänger
und Zusammenschlüsse, Verlage und Zeitschriften
- Charakteristisch: aristokratisch-hierarchisches Weltbild.
Die "proletarisch-revolutionäre Literatur"(scharfe
Abgrenzung von linksbürgerlichen Literatur- Strömungen)
- 1928 "Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller"
- mit der Bundeszeitschrift "Die Linkskurve"
(1929-32)
- Revolutionäre Intellektuelle aus dem Bürgertum,
die meist dem Expressionismus verbunden gewesen waren,
- schreibende Arbeiter (Arbeiterkorrespondenten, Mitarbeiter
von Zellenzeitungen)
- Forderte: "aktive Lösung" als Antwort auf
die Ausbeutung und auf den Krieg -
nicht "Armeleutepoesie oder Mitleidsdichtung"
(JOHANNES R. BECHER)
1934 1. Unionskongreß der Sowjetschriftsteller in Moskau
propagiert den "sozialistischen Realismus".
Der sozialistische Realismus kritisierte am Expressionismus
die "Ratlosigkeit einer wurzellosen und zersetzten bürgerlichen
Existenz" (GEORG LUKÁCS)
und am Ästhetizismus die untergehende bürgerliche
Kultur, die Dekadenz.
Hauptvertreter:
- JOHANNES R. BECHER
- ERICH WEINERT
- WILLI BREDE
- ALFRED KURELLA
- FRIEDRICH WOLF
- BERT BRECHT
- ERNST TOLLER
Die politische Polarisierung am Ende der zwanziger Jahre
wurde besonders deutlich bei den Streitigkeiten innerhalb
der 1926 gegründeten Sektion für Dichtkunst in der
Preußischen Akademie der Künste.
|