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Deutsche Literatur zwischen 1925 - 1950
» Klassik | Romantik | Biedermeier und Vormärz | Naturalismus | Gegenströmungen zu Naturalismus | Literatur zw. 1925-1950
Mitte der zwanziger Jahre

 

  • Ekstatik des Expressionismus verbraucht
  • Versuch erneut einer Realität anzunähern
  • Statt Pathos der Sprache - Nüchternheit und Distanzierung
  • Skeptisches, selektives oder ideologisch bestimmtes Verhältnis der Autoren zur sogenannten Wirklichkeit

.: "Neue Sachlichkeit"

  • Zuerst 1925 von GUSTAV FRIEDRICH HARTLAUB auf Objekte einer Kunstausstellung angewandt
  • unterstrich den Gegensatz zur spekulativen expressionistischen und abstrahierenden Kunst.

.: "Expressiver Naturalismus"

  • Verknüpfung der positivistischen Objektivität mit der durch den Expressionismus gewonnenen Subjektivität zum Ausdruck gebracht.

.: "Magischer Realismus"

  • Einbeziehung des Über- und Außerwirklichen betont.



.: Charakteristisch:

  • Weltanschauliche Zerstrittenheit
  • Ökonomische Not
  • Politische Auseinandersetzungen
  • Schließlich Umsturz, Verfolgung und Krieg

Die von der Philosophie seit NIETZSCHE gestellte Seinsfrage wird immer dringlicher.

Das Sein erscheint der modernen Existentialphilosophie als verschlossen - MARTIN HEIDEGGER, oder nur punktuell berührbar und nicht betretbar - KARL JASPERS.

Der Mensch ist vom Sein entfernt, ist in ein Nichts hinausgestoßen, den Dingen entfremdet.
(Schon im Laufe des 19. Jh. ging die metaphysische Sicherheit / Bindung an ein Transzendentales verloren - jetzt beginnt auch die Sicherheit seines realistischen physikalischen Weltbildes zu wanken Ü Relativitätstheorie, Quantentheorie, Atomphysik)

Der die positivistische Epoche des späten 19. Jh. bestimmende Determinismus wurde überwunden

Selbst der Gegenstand der naturwissenschaftlichen Forschung wurde als durch den Zugriff der Methode veränderlich erkannt WERNER HEISENBERG: "das naturwissenschaftliche Weltbild hört damit auf, ein eigentlich naturwissenschaftliches zu sein"

SIEGMUND FREUD ist mit den Werken "Traumdeutung" und "Psychopathologie des Alltagslebens" in die Schichten des Unbewußten vorgestoßen
Wirkung nicht nur im Stoff und in der Problemstellung zu sehen; sondern auch in der Darbietungsweise: Traum und assoziative Wortwahl (zwei fruchtbare Mittel der Seelenanalyse).

 

Antwort des seines Haltes beraubten Menschen:

1. Ästhetisierung des Lebens, Anerkennung der Kunst und der schöpferischen Arbeit als Überwindung des Nichts.
(Schon von FRIEDRICH NIETZSCHE eingeschlagener Weg)


GOTTFRIED BENN: "Auf der einen Seite immer der tiefe Nihilismus der Werte, aber über ihm die Transzendenz der schöpferischen Lust."

Einschätzung der Kunst und des Künstlers geht bei GOTTFRIED BENN und THOMAS MANN auf den Impressionismus der Jahrhundertwende zurück.
"Nihilismus der Werte", oder das Schwanken zwischen den Werten ("Ambivalenz"),
ist schon in der impressionistischen Lebensform mit ihrer Hingabe an den Augenblick und ihrem Genuß der Verwandlung vorgeprägt.


Der von ERNST BLEULER 1910 geprägte und von SIGMUND FREUD in sein System ("Totem und Tabu") übernommene Begriff der Ambivalenz sind zum Kennzeichen des vorherrschenden Menschentyps geworden.

2. Das durch bisherigen Fortschritt begründbare Vertrauen auf die Wirksamkeit von Rationalität, Liberalität, Humanität.

3. Rückkehr des autonom gewordenen Menschen zu seiner transzendentalen Bindung, Suche nach der verlorenen Mitte (HANS SEDLMAYR "Verlust der Mitte").
Eine Grundlage für diese Erneuerung lag in der erst im 20. Jh. vollzogenen Rezeption der Werke SÖREN KIERKEGAARDS. (Wirkte auf die Existentialisten und Kafka, auf die moderne christliche Theologie und Literatur.)
Der Erneuerung des religiösen Bewußtseins war auch die Überwindung des wissenschaftlichen Positivismus günstig.
Die moderne christliche Literatur will die existentielle Not nicht negieren, sondern interpretiert sie als Widerstreit des göttlichen und teuflischen Prinzips und weist, dem Christen seinen festen Platz in diesem Kampf an. Sie lehnt die nur-ästhetische Auffassung der Kunst ab.

4. Die Besinnung auf eine diesseitige Einordnungsmöglichkeit oder Gruppenzugehörigkeit versprach auch die Überwindung der individuellen Existenznot. - Weimarer Zeit
(der Gemeinschaftsgedanke verhieß: Einheit, Stärke, Macht und innere Geschlossenheit [KURT SONTHEIMER])


Als Leitbilder konkurrierten:

  • konservative
  • konservativ-revolutionäre
  • progressiv-revolutionäre


Für die Vorläufer der "volkhaften Dichtung" bestimmend
(verstanden sich als Opposition zu ästhetisierender, "dekadenter" und "artfremder" Literatur):

  • einige auf die Romantik zurückgehende Vorstellungen von dt Volkstum, Dichtung und Dichtertum
  • Betonung des "Ahnenerbes", Bäuerlichen und Bodenständigen
  • Überzeugung von der Gültigkeit bestimmter "Ordnungen"
  • heroisierende Auffassung des "Soldatischen"
  • biologische Bewertbarkeit des Menschen
  • Sogenannte konservativ-revolutionäre Einzelgänger und Zusammenschlüsse, Verlage und Zeitschriften
  • Charakteristisch: aristokratisch-hierarchisches Weltbild.


Die "proletarisch-revolutionäre Literatur"(scharfe Abgrenzung von linksbürgerlichen Literatur- Strömungen)

  • 1928 "Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller"
  • mit der Bundeszeitschrift "Die Linkskurve" (1929-32)
  • Revolutionäre Intellektuelle aus dem Bürgertum, die meist dem Expressionismus verbunden gewesen waren,
  • schreibende Arbeiter (Arbeiterkorrespondenten, Mitarbeiter von Zellenzeitungen)
  • Forderte: "aktive Lösung" als Antwort auf die Ausbeutung und auf den Krieg -
    nicht "Armeleutepoesie oder Mitleidsdichtung" (JOHANNES R. BECHER)


1934 1. Unionskongreß der Sowjetschriftsteller in Moskau propagiert den "sozialistischen Realismus".

Der sozialistische Realismus kritisierte am Expressionismus die "Ratlosigkeit einer wurzellosen und zersetzten bürgerlichen Existenz" (GEORG LUKÁCS)
und am Ästhetizismus die untergehende bürgerliche Kultur, die Dekadenz.


Hauptvertreter:

  • JOHANNES R. BECHER
  • ERICH WEINERT
  • WILLI BREDE
  • ALFRED KURELLA
  • FRIEDRICH WOLF
  • BERT BRECHT
  • ERNST TOLLER

Die politische Polarisierung am Ende der zwanziger Jahre wurde besonders deutlich bei den Streitigkeiten innerhalb der 1926 gegründeten Sektion für Dichtkunst in der Preußischen Akademie der Künste.

 

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