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Deutsche Literatur zwischen 1925 - 1950
» Klassik | Romantik | Biedermeier und Vormärz | Naturalismus | Gegenströmungen zu Naturalismus | Literatur zw. 1925-1950
Nach 1933

 

  • Hitlers Ernennung zum deutschen Reichskanzler am 30. 01.
  • "Machtergreifung" durch ihn und die NSDAP
  • Verbot bzw. Auflösung der sonstigen bisherigen Parteien
  • Beseitigung der Gewerkschaften
  • "Gleichschaltung" des gesellschaftlichen Lebens
  • Maßnahmen, Verordnungen, Gesetze veränderten die Bedingungen für die deutsche (und seit 1938) für die österreichische Literatur
  • "Schwarze Liste" (im April) der "unerwünschten Autoren"
  • "Reichskulturkammergesetz" Aufgabe des Staates:
    "innerhalb der Kultur schädliche Kräfte zu bekämpfen und wertvolle zu fördern"
  • In der Reichsschrifttumskammer wurden sämtliche Personen, die Herstellung und Verbreitung von Literatur betrieben, zwangsweise zusammengefaßt
  • Nachweis der arischen Abstammung wurde gefordert
  • Oberster staatlicher "Lenkungsapparat":Abteilung Schrifttum in dem neugebildeten Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda.


.: Juden

  • Im Sommer 1933 in Berlin der "Kulturbund deutscher Juden gegründet"
  • Der "Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland" wurde 1935 der allein gestattete organisatorische Zusammenschluß aller jüdischen Kulturorganisationen.
  • Die Kulturbünde der Jahre 1933-38 wirkten in eingeschränktem Maße bis 1941 waren "der größte freiwillige Zusammenschluß von Juden in Deutschland ... ein moralisches Reservoir ... Zentrum des geistigen Widerstandes" (HERBERT FREEDEN)


.: NS-Literatur

  • Bis auf die Lyrik gehört die während des Dritten Reiches exemplarisch herausgestellte Literatur ihrer Entstehung nach überwiegend schon dem vorausgegangenen Jahrzehnt an.

  • Dies gilt vor allem für Bücher, in denen die Bewährung im "Feuer und Blut der Materialschlacht", der "Frontgeist" und die "Kameradschaft" verherrlicht wurden, und für eine bestimmte Art von Heimat-Dichtung.

  • "Blut-und-Boden"-Literatur


In der NS-Literatur:

  • Verengung des Motivbestandes - immer wiederkehrende Bilder und Symbole
  • Als Vorbild und Wegbereiter galten: Volkslied, Soldatenlied und Spruch, HÖLDERLIN, STEFAN GEORGE ("Das Neue Reich")
  • Vokabular: germanisierende Wörter, Glut- und Feuermetaphern, Trommeln und Fanfaren, Schwerter, Banner, Fahnen, Erde, Scholle, Art, Stamm und Blut, Weihe, Sendung, Heil, Glaube, Dom, Altar, Führer, Führertum, Reich.

.: Literatur im Exil

  • Die durch den Nationalsozialismus direkt oder indirekt ausgebürgerte deutschsprachige Literatur, die so im Ausland erscheinen mußte.

  • "Innere Emigration", "Emigration nach Innen"

  • Der Ausdruck "Innere Emigration" wurde wahrscheinlich Ende 1933 durch FRANK THIEß in einem Protestbrief gegen die Verbrennung zweier seiner Bücher erstmalig schriftlich fixiert.

  • Hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Brauchbarkeit und Interpretation umstritten.

  • "Innere" und "äußere" Emigration standen in den Offenen Briefen (1945/46) zur Erörterung.

  • Hauptsprecher WALTER V. MOLO und FRANK THIEß einerseits und THOMAS MANN andererseits.

  • "Emigration nach innen" wurde nach 1945 auch von Unberechtigten als Alibi in Anspruch genommen.

.: Ausländische Einflüsse

  • Besonders zwei Werke entscheidend:

    • MARCEL PROUST "Suche nach der verlorenen Zeit"
    • IREN JAMES JOYCE "Ulysses"

      Beide sind beeinflußt von dem durch HENRI BERGSON im Gegensatz zu den Naturwissenschaften entwickelten Begriff der eigentlichen, der gelebten Zeit, der "durée réelle"


Charakteristisch:

  • Die chronologische Zeitfolge wird zertrümmert - Simultaneität des Vergangenen und Gegenwärtigen.
  • Der "innere Monolog"
  • Aufdeckung der durch die Psychoanalyse erfaßten Welt des unbewußten Trieblebens
  • Der Mensch erscheint ohne Mitte, nur als exemplarischer Typ einer modernen Lebenshaltung.
  • Illusionslose Härte bei der Enthüllung des menschlichen Seelenlebens (auch bei amerikanischen Schriftstellern)
  • Schonungslosigkeit in der Darstellung menschlicher Schwächen und Laster auch in der neueren religiösen Literatur.
  • Montagestil, unter Einbau von zeitgenössischen Schlagzeilen und Slogans.
  • Erzählperspektive, wechselnde "Standpunkttechnik"


Das Bemühen um die Aneignung und Sichtbarmachung eines neuen Wirklichkeits- und Weltbildes führte zum Zurücktreten der Fabel und der Stimmung hinter der Reflexion.


Es kann festgestellt werden, daß die moderne Literatur "ganz bewußt einen Teil der metaphysischen Arbeit, die z. B. im 19. Jh. von der philosophischen Systematik geleistet wurde, übernommen hat" (MAX BENSE)


Die denkerische Überwindung des Zerfalls, der sich keine Realität als Stütze bietet, führte zum inhaltlichen wie formalen Experiment, zur Zerstörung und Verzerrung der Sinnenwelt, zur bewußten Zuspitzung von Gestalten und Ereignissen zum Modell, zur Formel, zur Allegorie, zur Erweiterung des Bewußtseins- und Erlebnishorizontes ins Unbewußte und Überwirkliche, zur Gestaltung eines neuen Mythus. Mit dieser aus dem Expressionismus herrührenden Neigung zur Abstraktion trat die moderne Literatur in ein "Zeitalter der Utopie".


Gestaltung politischer oder wissenschaftlicher Utopien (HESSE, WERFEL, JÜNGER, H. MANN)


Rückgriff auf das Mythisch-Archaische (T. MANN)


Im Bereich der christlichen Dichtung - Mythisierung des teuflischen Prinzips (LANGGÄSSER)


Während hinter dem Bild des zukünftigen Menschen die Geschichte als literarisches Thema zurücktrat, wurde sie für den christlichen Autor gerade der Stoff, an dem sich das Wirken Gottes und der Bezug des Menschen auf das Transzendente sichtbar machen ließ.

Die Forderung der Literatur des sozialistischen Realismus griff über den Rahmen des Gegenwärtigen und Gegebenen hinaus, wobei sie sich auf den wissenschaftlichen Charakter des dialektischen Materialismus stützte.

Der Mensch in der Literatur dieser Epoche wurde Modellfigur, ein exemplarischer Fall, sei es der Ausgesetztheit und Unsicherheit (T. MANN, KAFKA, MUSIL, BROCH), sei es der Geborgenheit in Gott (GERTRUD VON LE FORT, REINHOLD SCHNEIDER), sei es des kämpferischen Proletariats (BRECHT).

  • Die Handlung wurde Gleichnis, Parabel.
  • Überzeugung: das Wirkliche der Kunst liegt jenseits der dinglichen Erscheinung Þ Bestreben: das Mehrschichtige der Dinge zu treffen, das Verborgene, die Transparenz sichtbar zu machen.
  • Der chronologische und psychologische Zusammenhang aufgelöst.
  • Andersartige Verknüpfung durch Assoziation, Präfiguration, Ein- und Überblendung, Montage hergestellt.
  • Simultaneität zeitlich und örtlich auseinanderliegender Geschehnisse erreicht.
  • Der Dichtergreift durch Kommentar, Zitat, Verweis, Essay in das Kunstwerk ein, verbirgt sich hinter schillernder Ironie und distanzierenden rzählerfiguren


.: In der Sprache


Vom Naturalismus wirkte die Neigung zur Präzision und die Verwendung der Alltagssprache nach das Recht auf "Freiheit der Benennung", das Bewußtsein, daß der Dichter "vom Wort her die Welt neu machen" kann (MAX BENSE) - Tendenz zur Stilisierung, Verknappung, Ballung im Sinne von Andeutung, Distanz, Untertreibung ("Understatement")


Methode der "Unterkühlung", des "Verfremdung-Effekts" (BRECHT), "Technik des Entzugs" (ERNST JÜNGER).


Die Beherrschung des Handwerks gewann höheren Rang als die Inspiration
Gattungen Entleerung und Zertrümmerung der alten Formen - es entstanden neue, mit denen die Gattungsgrenzen überschritten und verwischt wurden.


Zu besonderer Geltung gelangten: Essay, Skizze, Tatsachenbericht, Reportage, Brief und Tagebuch (teils an die Stelle früher bevorzugter Gattungen, teils drangen sie in sie ein).


Kleinformen geeignet für einprägsame Belehrung.

 

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