| Bewegung - politischer und geistiger
Hintergrund
Kurt Pinthus in Die Erhebung: Eine Zeit
ist gekommen, da die Kunst nicht mehr isoliert und abgesprengt von den anderen
Ausdrucksmöglichkeiten des menschlichen Geistes verharrt... es geht ihr nicht
um die Kunstfertigkeit - sondern um den Willen - den Willen der Menschheit. Diese
Kunst wird also allenthalben das Ästhetische zersprengen. Hier mündet
die Kunst ins Ethische, ins Politische, fraglich, ob zum Besten der Kunst, sicherlich
zum Besten der Menschheit
Picard, Max: Expressionismus [O.F.Best
73]
Aus dem Chaos, in dem die Dinge kaum einen Namen haben, damit
sie von allem und zu allem gerufen werden können, aus diesem namenlosen Chaos
ruft der neue, expressionistische Mensch das Ding heraus zu sich. Er ruft die
Dinge bei ihrem Namen an: Du Wald, sagt er, und du Stadt, damit der Wald und die
Stadt sich aus dem Chaos wieder auseinander ordnen.
Picard, Max: Expressionismus [O.F.Best 78f]
Diese Tendenz zur Orientierung im Chaos, Fixierung des
Chaos ist so groß, daß sie dieses Paradox geschaffen
hat: Das Revolutionäre, das ist das ungeheuer Bewegte
und ungeheuer Bewegende, wird nicht mehr wie im Impressionismus
als das ungeheuer Bewegte und ungeheuer Bewegende erlebt,
sondern eben paradox: fixierend-orientierend. Denn durch die
revolutionäre Plötzlichkeit sieht man die Dinge
aus dem Chaos angezogen und um die Explosion in bestimmter
Distanz gruppiert: Fixierung. Orientierung. Also dieses Paradox
geschieht dem Revolutionären im Expressionismus: Es wird
nicht um des dionysischen Rausches willen erlebt, sondern
um der apollinischen Gestaltung willen, in die sich der Rausch
ordnet.
Dieser Wille zur Verkleinerung des Chaos bestimmt auch dem
Expressionisten das Verhältnis zur Wissenschaft: [...]
Die Kausalität hat die Zahl der Dinge im Chaos vermehrt
durch die Verwandlungsgebilde zwischen Ursache und Wirkung.
[78] Der Expressionist ist also unwissenschaftlich, [...]
Das Symbol dieser expressionistischen Zeit wäre etwa
nicht Buddha, der nach einem Blick in die Welt, die Welt aus
seinen Händen entlassen hat, sondern ein Herakles, der
nach einem Blick in die Welt unendlich viele Hände haben
möchte, damit er mit jeder dieser unendlich vielen Hände
eines der unendlich vielen Dinge des Chaos erfassen kann.
Kasimir
Edschmid: Über den dichterischen Expressionismus [O.F.Best 59] Hier
gibt es keine Zusammenhänge mehr, die das Bild des Menschlichen verschleiern.
Keine Ehegeschichten, keine Tragödien, die aus Zusammenprall von Konvention
und Freiheitsbedürfnis entstehen, keine Milieustücke, keine gestrengen
Chefs, lebenslustigen Offiziere, keine Puppen, die an den Drähten psychologischer
Weltanschauungen hängend, mit Gesetzen, Standpunkten, Irrungen und Lastern
dieses von Menschen gemachten und konstruierten Gesellschaftsdaseins spielen,
lachen und leiden. Durch alle diese Surrogate greift die Hand des Künstlers
grausam hindurch. Es zeigt sich, daß sie Fassaden waren. Kasimir
Edschmid: Über den dichterischen Expressionismus [O.F.Best 60f] Dennoch
geht ihr Erleben tiefer. Es geht auf den einfachsten Bahnen, nicht auf den verdrehten,
von Menschen geschaffenen, von Menschen geschändeten Arten des Denkens, das,
von bekannten Kausalitäten gelenkt, nie kosmisch sein kann. [60] Aus dem
Psychologischen kommt nut Analyse. Es kommt Auseinanderfalten, Nachsehen, Konsequenzenziehen,
Erklärenwollen, Besserwissen, eine Klugheit heucheln, die doch nur nach den
Ergebnissen geht, die unseren für große Wunder blinden Augen bekannt
und durchsichtig sind. Denn vergessen wir nicht: alle Gesetze, alle Lebenskreise,
die psychologisch gebannt sind, sind nur von uns geschaffen, von uns angenommen
und geglaubt. Für das Unerklärliche, für die Welt, für Gott
gibt es im Vergangenen keine Erklärung. Ein Achselzucken nur, eine Verneinung.
Daher ist diese neue Kunst positiv. Weil sie intuitiv ist. [...] Mit dem
Fortfall des psychologischen Apparats fällt der ganze Décadencerummel,
die letzten Fragen können erhascht, große Probleme des Lebens direkt
attackiert werden. Picard, Max: Expressionismus [O.F.Best 77]
Die Psychologie gab im Impressionismus den Dingen die nuancenreichste Bereitschaft,
sich überall hinein zu beziehen. Diese Beziehungshaftigkeit will der Expressionismus
wieder auseinander wehren; das bedingt die scharfe Ablehnung der Psychologie im
Expressionismus. »Der Schwindel Psychologismus, dieser nette Kniff,
Tragischem zu entfliehen: anstatt die quälenden Rätsel zu lösen,
lehrt er den Prozeß ihres Entstehens im Gemüt verfolgen und die umwogenden
Gefühle aufzeichnen. Eine schmerzvolle Frage wird erlebt, aber kraft des
psychologischen Hokuspokus ist die Frage plötzlich verschwunden und bloß
das Erlebnis des Schmerzes ist da« (Hiller) Man will im Expressionismus
nicht den Schmerz um ein Ding, man will das Ding selber haben, der Schmerz mag
dabei sein oder nicht. Schmerz und Freude an einem Ding will man nur darum kennen,
damit man sie von dem Ding trennen kann, damit hier das Ding sei, das ganz für
sich allein sein kann, und dort die Affekte, die überall sein können.
Man will also den Gegenstand von der Relativität der Affekte lösen,
man will ihn nicht sich verwandeln lassen durch Schmerz oder Freude. Man kümmert
sich nur darum, daß ein Ding sei, isoliert sei. Der Expressionist ist
also nicht psychologisch, aber er ist psycho-analytisch. Das ist kein Widerspruch.
Im Gegenteil: Die Psychologie läßt von einem Ding auf tausend Dinge
gleiten, die Psycho-Analyse gleitet von tausend Dingen zu einem. Friedrich
Markus Huebner: Der Expressionismus in Deutschland [O.F.Best 37f] Der
Expressionismus verhält sich gegenüber der Natur feindselig. Er aberkennt
ihre Übermacht; er zweifelt an ihrer Wahrheit. Er stellt fest, daß
auch die Wissenschaft nur ein Versuch der Ausdeutung ist, daß sie nicht
unumstößliche Erkenntnisse, sondern äußerst einwandzugängliche
Hypothesen liefert. [...] Die Natur ist nicht ein [37] objektiv Unveränderliches
und nichts Größeres als der Mensch. [...] Sie ist der unendlich biegsame
und knetbare Urstoff, in welchem alle Möglichkeiten schlummern. Pinthus,
Kurt: Zuvor [O.F.Best 86ff] Aber man fühlte immer deutlicher
die Unmöglichkeit einer Menschheit, die sich ganz und gar abhängig gemacht
hatte von ihrer eigenen Schöpfung, von ihrer Wissenschaft, von Technik, Statistik,
Handel und Industrie, von einer erstarrten Gemeinschaftsordnung, bourgeoisen und
konventionellen Bräuchen. Diese Erkenntnis bedeutet zugleich den Beginn des
Kampfes gegen die Zeit und gegen ihre Realität. Man begann [...] mit ironischer
Überlegenheit sich der Umwelt zu erwehren, ihre Erscheinungen grotesk durcheinander
zu würfeln, leicht durch das schwerflüssige Labyrinth hindurchzuschweben
(Lichtenstein, Blaß) - oder mit varietéhaftem Zynismus in Visionäre
zu steigern (van Hoddis). Aus der strotzenden Blüte der Zivilisation
stank ihnen der Hauch des Verfalls entgegen, und ihre ahnenden Augen sahen bereits
als Ruinen eine wesenlos aufgedunsene Kultur und eine ganz auf dem Mechanischen
und Konventionellen aufgetürmte Menschheitsordnung. [...] Heym hämmerte
(noch nach Baudelaires strengem Vorbild) Visionen des Todes, des Grauens, der
Verwesung in zermalmenden Strophen; Trakl glitt nichtachtend der realen Welt,
hölderlinisch in ein [86] endlich blaues Strömen tödlichen Hinschwindens,
das ein Herbstbraun vergeblich zu rahmen trachtete; Stadler sprach und rang mit
Gott und der Welt, sehnsuchtgemartert, inbrünstig wie Jakob mit dem Engel;
[...] Stramm löste seine Leidenschaft vom Trugbild der Erscheinungen und
Assoziationen los und ballte reines Gefühl zu donnernden Ein-Worten, gewitternden
Ein-Schlägen. Der wirkliche Kampf gegen die Wirklichkeit hatte begonnen mit
jenen furchtbaren Ausbrüchen, die zugleich die Welt vernichten und eine neue
Welt aus dem Menschen heraus schaffen sollten. Man versuchte, das Menschliche
im Menschen zu erkennen, zu retten und zu erwecken. [...] Immer deutlicher wußte
man: der Mensch kann nur gerettet werden durch den Menschen, nicht durch die Umwelt.
[...] Und da die Rettung nicht von außen kommen kann - von dort [87] ahnte
man längst vor dem Weltkrieg Krieg und Vernichtung -, sondern nur aus den
inneren Kräften des Menschen, so geschah die große Hinwendung zum Ethischen.
Während im Weltkrieg der gewußte Zusammenbruch sich in der Realität
ereignete, war bereits die Dichtung wiederum der Zeit vorangestürmt: Aus
den Ausbrüchen der Verfluchung brachen die Schreie und Aufforderungen zur
Empörung, zur Entscheidung, zur Rechenschaft, zur Erneuerung [...]. [...]
nicht mehr das Individuelle, sondern das allen Menschen Gemeinsame, nicht das
Trennende, sondern das Einende, nicht die Wirklichkeit, sondern der Geist, nicht
der Kampf aller gegen alle, sondern die Brüderlichkeit wurden gepriesen.
Die neue Gemeinschaft wurde gefordert. Und so gemeinsam und wild aus diesen Dichtern
Klage, Verzweiflung, Aufruhr aufgedonnert war, so einig und eindringlich posaunten
sie in ihren Gesängen Menschlichkeit, Güte, Gerechtigkeit, Kameradschaft,
Menschenliebe aller zu allen. Die ganze Welt und Gott bekommen Menschenangesicht:
die Welt fängt im Menschen an, und Gott ist gefunden als Bruder -, selbst
die Steinfigur steigt menschlich herab, die Stadt der Qualen wird zum beglückenden
Tempel der Gemeinschaft, und triumphierend steigt das erlösende Wort empor:
Wir sind!
Johannes R. Becher erinnert sich:
Auch die kühnste Phantasie meiner Leser würde
ich überanstrengen bei dem Versuch, ihnen die Zauberhaftigkeit
zu schildern, wie sie dieses Gedicht Weltende von Jakob van
Hoddis für uns in sich barg. Diese zwei Strophen, o diese
acht Zeilen schienen uns in andere Menschen verwandelt zu
haben, uns emporgehoben zu haben aus einer Welt stumpfer Bürgerlichkeit,
die wir verachteten und von der wir nicht wußten, wie
wir sie verlassen sollten.
Aus dem
Programm der Gruppe Die Brücke: Mit dem Glauben an Entwicklung,
an eine neue Generation der Schaffenden wie der Genießenden rufen wir alle
Jugend zusammen. [...] Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht
wiedergibt, was ihn zum Schaffen drängt. Friedrich Markus
Huebner: Der Expressionismus in Deutschland [O.F.Best 42f] Realpolitisch
suchte die neue Gesinnung sich in gewissen Protesten gegen den landesüblichen
Schulunterricht durchzusetzen; [...] Wenn in den staatlichen Mittel- und Hochschulen
der junge Mensch zum Untertan des Wissens gedrillt wurde, so predigten diese Neupädagogen
gerade die Bedingtheit des Lehrstoffes und die Unbedingtheit der jungen Menschenseele.
Statt des Lernens forderten sie das Erleben; der Mensch sollte nicht Kenntnisse,
[42] nicht Fähigkeiten, sondern sollte sich, seine verborgene und unsterbliche
Seele entwickeln. Friedrich Markus Huebner: Der Expressionismus
in Deutschland [O.F.Best 40f] Die ersten deutschen Zeugnisse der neuen
Kunst entstanden in Dresden, wo zu Beginn des 20. Jahrhunderts sich junge Maler
in der Vereinigung »Die Brücke« zusammengefunden hatten. Kurz
darauf flackerte das Feuer in München auf, und schon hier wird das nahe Verhältnis
des Expressionismus zu Rußland anschaulich. In München wirkten die
Russen Kandinsky, Bechtejeff und Frau Werefkin, die Polen Jawlenski und Stückgold;
zu ihrem unmittelbaren Freundschaftskreise gehörte Franz Mark. [...] Die
einzige ernsthafte Künstlergruppe in München, die »Sezession«,
ein Gebilde aus der Zeit des anstürmenden Impressionismus, teilte sich in
zwei gegnerische Lager; es entstand die »Neue Sezession«, die ihre
gesonderten Ausstellungen veranstaltete und wo die expressionistische Malweise
sich immer ausschließlicher zur Führerin machte. Inzwischen war
es auch in der Dichtkunst lebendig geworden. [...] Auch hier sind die slawischen
Einflüsse sofort spürbar. Hatte sich zwar zuerst eine Gruppe in Berlin,
geführt von dem Lyriker Georg Heym und vertreten von den Wochenblättern
»Der Sturm« und »Die Aktion« in den Dienst des neuen Ausdrucks
gestellt, so empfing dieser, durch Berlin allzu verstandesmäßig begriffen,
seine höhere Weihe erst durch das Auftreten gewisser Dichter aus Böhmen,
die, wie Franz Werfel und Max Brod, aus der sprachlichen Schule des großen
deutschen Prager Lyrikers Rainer Maria Rilke hervorgegangen, den poetischen Expressionismus
unmittelbar auch mit sittlichen Gefühlselementen anfüllten. Werfel verkündete
von Anfang an die für den Expressionismus kennzeichnende Haltung der christlich
gefärbten Nächstenliebe zu allem was lebt und webt und die Freiheit
des Menschen gegenüber den Objekten durch die Gnade des schöpferischen
Aktes. Friedrich Markus Huebner: Der Expressionismus in Deutschland
[O.F.Best 43f] Die Jahre 1914 bis 1918 bedeuteten für den Expressionismus
ein verborgenes Sammeln der Kräfte. Zeitschriften wie die Aktion verneinten
den Krieg und die Politik dieser Jahre vollständig; wo die neue Kunst sich
der vom Kriege aufgeworfenen Menschheitsprobleme bemächtigen wollte, griff
die Zensur ein und erzwang auf diese Weise Schweigen; [...][43] Es gibt kein expressionistisches
Werk, das während dieser vier Jahre an die Öffentlichkeit gebracht wäre
und das sich zum Kriege bekannt hätte: [...] Friedrich Markus
Huebner: Der Expressionismus in Deutschland [O.F.Best 44] [...]
Werke, welche allenthalben nach 1918 herauskamen [...] zeigen, daß gerade
der Krieg ein außerordentlich ergiebiges Thema für den Expressionismus
ist, denn welches Massenerlebnis führt so nahe an den Tod und an das Leben
heran wie er? Der Expressionismus wächst und nährt sich aus der Chaotisierung
der menschlichen Beziehungen; [...] Friedrich Markus Huebner: Der
Expressionismus in Deutschland [O.F.Best 46f] Das Gefühl wurde
deutlicher, daß nicht nur eine Kultur, nicht nur eine Weltanschauung in
Gefahr waren - denn inmitten der Schrecken des vierjährigen Weltkrieges waren
alle diese Werte in ihrer trostlosen Abhängigkeit und Bedingtheit erkannt
worden - sondern in Gefahr war vor allem, so fühlte man, das Ich selber,
nämlich das enge, zaghafte, an die Natur angeklammerte Intellektualich des
Menschen von gestern. Was verlangte die Zeit? Sie verlangte den Tod des gewesenen,
abgenützten, an sein Ende gelangten Menschenichs; hierüber entsetzten
sich die Menschen. [...][47] In dieser Zeit leuchtete die expressionistische
Kunst vor fiebernden Augen als die einzige Bürgschaft dafür, daß
der Tod nur das Pfand war, welches das Leben verlangte, um von ganz vorn anfangen
zu können, nämlich eben beim Ich des Menschen, bei einer neuen Unschuld,
einer neuen Bewußtlosigkeit. Kasimir Edschmid: Über
den dichterischen Expressionismus [O.F.Best 65] Es ist eine Lüge,
daß das, was mit verbrauchtem Abwort das Expressionistische genannt wird,
neu sei. Schändung, es umfasse eine Mode. Verleumdung, es sei eine nur künstlerische
Bewegung. Immer, wenn der oder jener der Menschheit die »Wurzeln«
der Dinge in der Hand hielt und seine Faust Griff hatte und Ehrfurcht, gelang
das gleiche. Diese Art des Ausdrucks ist nicht deutsch, nicht französisch.
Sie ist übernational. Friedrich Markus Huebner: Der Expressionismus
in Deutschland [O.F.Best 44] [Der Expressionismus packt] den europäischen
Menschen tiefer und entscheidender; er führt die Geister unendlich brüderlich
zusammen und macht aus Europa zum ersten Male eine einzige, fast religiös
wie im Mittelalter geschlossene Gefühlszone. Friedrich Markus
Huebner: Der Expressionismus in Deutschland [O.F.Best 45] Der Abschluß
des Krieges brachte in Deutschland einen fast tumultarischen Ausbruch der zu lange
zwanghaft zurückgehaltenen Kräfte. Friedrich Markus Huebner:
Der Expressionismus in Deutschland [O.F.Best 38f] Das Problem der
individuellen Freiheit, dieses Kernproblem des Denkens und des Wollens, sucht
er [der Mensch] nicht zu durchgrübeln, nicht zu beantworten, nicht zu systematisieren,
sondern er sucht es kurzweg aufzuheben durch ein schöpferisches Handeln.
Diese Lebensgesinnung ist, [...] nicht ein Ergebnis des Krieges, sondern sie war
bereits 1914 mit aller Umrißdeutlichkeit vorhanden. Sie wuchs aus dem Pessimismus
eines Schopenhauer, dessen transzendente Einsicht: »Die Welt ist unsere
Vorstellung« sie übernahm, [...] vermählte sie sich an diesem
Punkte mit dem tragischen Optimismus Nietzsches, der dem Leben, gerade weil es
unablässig die Buntheit der Illusionen schafft, ein hymnisches Lied singt.
[...] ward ihr durch Rußland, durch Erscheinungen wie Dostojewski [38] und
Tolstoi jene dritte Kraft zugetragen, die ihr noch fehlte: die mystische des intellekt-befreiten
Glaubens. |