| Bezeichnung - Expressionismus:
Friedrich Markus Huebner: Der Expressionismus in Deutschland
[O.F.Best 37] der Impressionismus ist eine Stillehre, der Expressionismus
eine Norm des Erlebens, des Handelns, umfassend also der Weltanschauung.
Bahr, Hermann [Martini 538]
Niemals war eine Zeit von
solchem Entsetzen geschüttelt, von solchem Todesgrauen. Niemals war die Welt
so grabesstumm. Niemals war der Mensch so klein. Niemals war ihm so bang. Niemals
war Friede so fern und Freiheit so tot. Da schreit die Not jetzt auf: der Mensch
schreit nach seiner Seele, die ganze Zeit wird ein einziger Notschrei. Auch die
Kunst schreit mit, in die tiefe Finsternis hinein, sie schreit um Hilfe, sie schreit
nach dem Geist: das ist der Expressionismus.
Däubler, Theodor:
Expressionismus [O.F.Best 51]
Der Volksmund sagt: Wenn einer gehängt wird, so
erlebt er im letzten Augenblick sein ganzes Leben nochmals.
Das kann nur Expressionismus sein!
Schnelligkeit, Simultanität, höchste Anspannung
um die Ineinandergehörigkeiten des Geschauten sind Vorbedingungen
für den Stil.
Marc, Franz: Die ersten Werke einer neuen
Zeit sind unendlich schwer zu definieren. Wer kann klar sehen, auf was sie abzielen
und was kommen wird? Die Tatsache allein, daß sie existieren und heute an
vielen voneinander unabhängigen Punkten entstehen und von innerlicher Wahrheit
sind, läßt es uns zur Gewißheit werden, daß sie die ersten
Zeichen der kommenden neuen Epoche sind, Feuerzeichen von Wegsuchenden. Margarete
Susman (1918): Wollen wir heraus aus dieser schwersten, wehesten
Verfinsterung des Geistes, die je auf Erden war? Dies ist die einzige Frage an
unser Leben. [...] Entscheidung für oder wider - dies ist heute die einzige
Frage an unser Menschentum. Und diese Entscheidung, dieser Aufschrei der sich
entscheidenden Seele ist Expressionismus. Hatvani, Paul: Versuch
über den Expressionismus [O.F.Best 68] Der Expressionismus ist
eine Revolution: [...] der Expressionismus hätte nun neuerdings das Ich entdeckt:
diese Erkenntnis allein ist schon ein Bekenntnis zur Revolution, [...] Im Impressionismus
hatten sich Welt und Ich, Innen und Außen, zu einem Gleichklang verbunden.
Im Expressionismus überflutet das Ich die Welt. So gibt es auch kein Außen
mehr: der Expressionist verwirklicht die Kunst auf eine bisher unerwartete Weise.
[...] Nach dieser ungeheuerlichen Verinnerlichung hat die Kunst keine Voraussetzung
mehr. So wird sie elementar. Der Expressionismus war vor Allem die Revolution
für das Elementare. [...] Der Weg zum Elementaren ist die Abstraktion.
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