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.: Abenteuer-Roman
- Literarischer Oberbegriff für Romane, die sich durch
Stoffülle und abenteuerliche Spannung auszeichnen und
in denen der Held in eine bunte Kette von Ereignissen oder
Irrfahrten verwickelt wird.
- Der typische Abenteuerroman besteht aus einer lockeren
Folge relativ selbständiger, um diesen gruppierter
Geschichten, meist in volkstümlich-realistischem Stil.
- Sie dienen nicht der Darstellung seiner Entwicklung, sondern
der Unterhaltung und allenfalls Belehrung des Lesers:
Sie sind z.T. mit dem jeweiligen Populärwissen ihrer
Zeit angereichert.
.: Anekdote
- [gr. anékdota = nicht Herausgegebenes], ursprünglich
Titel einer gegen Kaiser Justinian und Theodora gerichteten
Schrift »Anekdota« (lat. »Arcana Historia«)
des Prokopios von Cäsarea mit entlarvenden Geschichten
über den byzantinischen Hof, die er in seiner offiziellen
Geschichte der Regierung Justinians nicht veröffentlicht
hatte. In den beiden hier implizierten Bedeutungen wird
Anekdote später gebraucht:
- 1. Im Sinne von lat. inedita (= nicht veröffentlicht)
als Titel von Editionen vordem noch nicht edierter Manuskripte.
- 2. Im Sinne von Geschichtchen, so erstmals in der französischen
Memoirenliteratur des 17. und 18. Jh.s. Heute bezeichnet
Anekdote eine epische Kleinform, die auf eine überraschende
Steigerung oder Wendung (Pointe) hinzielt und in gedrängter
sprachlicher Form (häufig in Rede und Gegenrede) einen
Augenblick zu erfassen sucht, in dem sich menschliche Charakterzüge
enthüllen oder die Merkwürdigkeit oder die tieferen
Zusammenhänge einer Begebenheit zutage treten. Die
Pointe besteht häufig in einer schlagfertigen Entgegnung,
einer witzigen Aussage, einem Wortspiel oder Paradoxon oder
einer unerwarteten Aktion, daher Nähe zu ->Witz,
->Aphorismus, ->Epigramm.
- Die Anekdote bildet sich v.a. um historische Persönlichkeiten
und Ereignisse, aber auch um fiktive, jedoch typisierte
Gestalten oder allgemein um menschliche Situationen und
Haltungen. Dabei ist es zweitrangig, ob das Erzählte
historisch verbürgt ist; bedeutsam ist allein, ob es
möglich, treffend und charakteristisch ist.
.: Autobiographischer Roman
 
- Literarische Transposition der Biographie (oder auch nur
biographischer Erlebnisse) des Autors in ein fiktionales
Geschehen.
- Im Gegensatz zur Autobiographie unterliegt die Darstellung
damit nicht mehr nur der Forderung unbedingter Wahrhaftigkeit,
sondern künstlerischen Strukturgesetzen, das heißt,
die biographischen Vorgänge werden nicht um ihrer selbst
willen berichtet, sondern einer Symbolstruktur unterworfen,
das stoffliche Material wird zudem auf einen Höhepunkt
und Schluß hin geordnet, Entwicklungen und Sinnstrukturen
durch Stilisierungen, Umgruppierungen und Auslassungen von
biographischen Fakten, durch Einfügung erfundener Ereignisse,
Personen, Motive usw. verdeutlicht.
- So kann der Autor im autobiographischen Roman z.B. alle
im Charakter (s)einer Person liegenden Möglichkeiten
aufzeigen, die im realen Leben oft durch zufällige
Umstände nicht zur Entfaltung kommen konnten [...].
- Ferner erlaubt die (oft gewählte) Erzählform
der 3. Person eine perspektivische Mehrschichtigkeit, durch
die z.B. auch verdeckte Motive, Gedanken usw. einzelner
Personen sichtbar gemacht, das eigene Ich in anderen gespiegelt
werden kann, oder ein funktionales Schalten mit Stoff und
Zeit. Häufig sind aber auch autobiographische Romane
in Ich-Form.
.: Bildungsroman
 
- Bezeichnung für einen in der Weimarer Klassik entstandenen
spezifisch deutschen Romantypus, in welchem die innere Entwicklung
(Bildung) eines Menschen von einer sich selbst noch unbewußten
Jugend zu einer allseits gereiften Persönlichkeit gestaltet
wird, die ihre Aufgabe in der Gemeinschaft bejaht und erfüllt.
- Dieser Bildungsgang gesehen als gesetzmäßiger
Prozeß, als Entelechie, führt über Erlebnisse
der Freundschaft und Liebe, über Krisen und Kämpfe
mit den Realitäten der Welt zur Entfaltung der natürlichen
geistigen Anlagen, zur Überwindung eines jugendlichen
Subjektivismus, zur Klarheit des Bewußtseins. Jede
Erfahrungsstufe ist zwar eigenwertig, zugleich aber Grundlage
für höhere Stufen und erscheint sinnvoll zur Erringung
des ebenfalls stets klar ausgeprägten Zieles, der Reifung
und Vollendung, der harmonischen Übereinstimmung von
Ich, Gott und Welt.
- Diese Grundkonzeption des Bildungsromans bedingt einen
zwei- bis dreiphasigen Aufbau (Jugendjahre - Wanderjahre
- Läuterung, bzw. Bewußtwerden des Erreichten,
Anerkennung und Einordnung in die Welt). Wendepunkte sind
oft durch Erinnerungen, Retrospektiven gekennzeichnet, oft
auch durch immer harmonischer, ruhiger werdenden Sprachgestus,
bes. bei den Bildungsromanen in Ichform. Die Gestaltung
ist typisierend, symbolhaft, häufig ist die Reifung
zum Künstler Gegenstand des Bildungsromans, er ist
zugleich oft autobiographischer Roman. Die für den
Bildungsroman konstituierende Idee der gesetzmäßig-organischen
Entfaltung des inneren Menschen entstammt der Aufklärung.
Die Bezeichnung »Bildungsroman« wurde von W.
Dilthey für die Romane der deutschen Klassik und Romantik
geprägt und definiert. Die Bezeichnung »Bildungsroman«
wird in der Literaturwissenschaft auch für spätere
Romane verwendet, in denen die organische Entfaltung eines
Menschen gestaltet ist, wobei jedoch Bildungsweg und Ziel
gemäß den jeweiligen Bildungsidealen der den
Roman bestimmenden geistesgeschichtlichen Situation oder
nach dem Weltbild des Dichters weiter oder anders gefaßt
sein können als bei Dilthey.
.: Briefroman
 
- besteht aus einer Folge von Briefen eines oder mehrerer
fingierter Verfasser ohne erzählende Verbindungstexte,
allenfalls ergänzt durch ähnliche fingierte Dokumente
(Tagebuchfragmente etc.).
- Anders als im Ich-Roman wird nicht vom Ende her erzählt,
sondern scheinbar ohne Kenntnis des weiteren Handlungsverlaufs.
- Bei mehreren Briefschreibern wird die Erzählperspektive
zudem auf die Romanfiguren verteilt.
- Die Form der direkten nuancierten Selbstaussage macht
den Briefroman zum Mittel differenzierter Seelenschilderung;
gegenüber dem Tagebuchroman wirkt sich aber die der
Briefsituation eigene Wendung an einen Adressaten objektivierend
aus.
.: Comics
- [engl./amerik. eigentlich comic strips = komische (Bild)streifen],
Ende des 19. Jh.s in den USA entstandene spezielle Form
der Bildergeschichte:
- komische Bilderfolgen (panels), denen erklärende
oder ergänzende Texte zunächst unterlegt waren,
die dann zunehmend (v.a. als
Sprechblasen, balloons) in die Bildfläche eingeschireben
wurden.
- Comics wurden lange Zeit pauschal als trivial und sogar
jugendgefährdend abqualifiziert.
- Erst in den letzten Jahren hat sich allmählich eine
differenzierende literatur- und kunsthistorische und -soziologische
Betrachtungsweise durchgesetzt, und zwar einerseits im Gefolge
der amerikanischen Pop-Art, des avantgardistischen Films,
der sog. Pop-Literatur, andererseits durch den gezielt gesellschaftskritischen
und politischen Einsatz der Comics in der Underground-Literatur
.: Detektivgeschichte / Detektivroman
- [engl. to detect = aufdecken] Sonderform des Kriminalromans
und nicht immer stringent von ihm zu trennen.
- Er erzählt nicht das innere oder äußere
Schicksal eines Verbrechers oder die Geschichte eines Verbrechens,
sondern dessesn Aufhellung (Detektion).
- Am Anfang des fest umrissenen, auf Spannung berechneten
Erzählschemas steht ein geheimnisvolles, scheinbar
unerklärliches Verbrechen, das die Ermittlungsarbeit
des Detektivs, meist eines exzentrischen Einzelgängers,
veranlaßt und diesen wie den Leser mit falschen Spuren
und verdeckten Indizien und einer Reihe verdächtigen
Unschuldiger und unverdächtigen Schuldiger konfrontiert,
ehe am Schluß mit Hilfe logischer oder intuitiver
Analyse die Rekonstruktion des Tathergangs und die Überführung
des Täters gelingt.
- Individualität und Niveau des Detektivromans hängen
weniger von der Komplikation und Stringenz des einzelnen
Falles und seiner Aufklärung als von der Konzeption
der Zentralfigur und der Einbeziehung von Umwelt in das
eigentliche Kriminalgeschehen ab.
.: Entwicklungsroman
- Romantypus, in dem die geistige Entwicklung der Hauptgestalt
(meist eines jungen Menschen) dargestellt wird.
- Bezeichnung in die Literaturwissenschaft eingeführt
von Melitta Gerhard (1926) für Romane, die zwar dem
klassischen Bildungsroman verwandt sind, in Ziel und Weg
aber entsprechend der zeittypischen und individuellen Auffassung
ihrer Autoren kennzeichnend abweichen.
- Diese Begriffsscheidung ist jedoch nicht allgemein durchgeführt:
die umfassendere Bezeichnung »Entwicklungsroman«
wird vielfach mit »Bildungsroman«, »Erziehungsroman«
synonym gebraucht.
- In der modernen Literaturwissenschaft wird deshalb versucht,
die Bezeichnung »Entwicklungsroman« formal zu
fixieren als überhistorisch, immer und in jeder Literatur
möglicher Bautyp; entscheidend für die Zuordnung
zum Entwicklungsroman sind neben dem Inhaltlichen (Konzeption
eines individuellen Lebensganges) bestimmte strukturale
Kriterien, z.B. die Funktion der Stoffverteilung: Held als
Zentrum der dargestellten Welt, eine spezifische Erzählsituation:
besonders typisch ist z.B. die Ichform [...] oder das chronologisch
fortschreitende Zeitgerüst.
.: Epos
 
- [gr. = Wort, Erzählung, Lied, Gedicht] In der deutschen
Dichtungslehre seit dem 18. Jh. gebräuchliche Bezeichnung
der Großform erzählender Dichtung in gleichartig
gebauten Versen oder Strophen, meist mehrere
Teile (Gesänge, Bücher, Fitten, Aventiuren, Cantos)
umfassend.
- Charakteristisch für das Epos sind gehobene Sprache,
typisierende Gestaltungsmittel, eine Zentralfigur oder ein
Leitgedanke, Objektivität durch Distanz zur Fülle
der breit dargebotenen Geschehnisse sowie der Anspruch auf
Allgemeingültigkeit der Aussage.
- Das Epos hat seinen Ursprung im jeweiligen Reifestadium
einer frühen Kulturepoche, wenn neben einem zuvor rein
mythologisches Weltbild das spezifische Geschichtsbewußtsein
eines Volkes (oder doch seiner herrschenden, das heißt
kulturtragenden Gruppen) immer mehr hervortritt.
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