|
Chronologische Einteilung:
Die Trennung der beiden Phasen der Romantik ist künstlich
und nur als Gliederungsversuch unter Vorbehalten zu verstehen.
Die Auseinandersetzung mit Goethe zieht sich durch die gesamte
Epoche - am Paradigma Wilhelm Meister messen die Romantiker
ihre eigene Leistung.
Ältere oder Frühromantik
- mehr kritisch-wissenschaftlich
- besondere Ausrichtung auf wissenschaftliche / philosophische
Fragestellungen
- eher intellektuelle als spekulative Tendenzen
- geschlossene Gemeinschaft mit Jena als Mittelpunkt
Zentralbegriffe:
- Das Unendliche
Schleiermacher: Religion ist das Gefühl des Unendlichen
bzw. die Sehnsucht nach dem Unendlichen);
Schelling: System des transzendentalen Idealismus definiert
das Schöne so: Das Unendliche endlich dargestellt
ist Schönheit.
- Symbolik
Orientierung an der Idee der Beseelung der Natur.
Der Mensch ist ein Mikrokosmos, die Natur ein Makroanthropos,
zwischen Natur und Mensch bestehen keine strengen Schranken,
sondern wechselseitige Widerspiegelungen, die sich in Symbolen
ausdrücken lassen. So z.B. im Symbol der Blauen Blume,
die als Symbol einer in der Natur und zugleich im menschlichen
Herzen angesiedelten genuinen Poesie zu verstehen ist.
Novalis schreibt seinen poetischen Bildungs- oder Entwicklungsroman
Heinrich von Ofterdingen (1802) auch als Reaktion auf Goethes
Bildungsroman Wilhelm Meister (1795/96).
Ein Grundkonflikt der Romantik, der sich an der Person und
Funktion Goethes entzündet
- einerseits besteht der emphatisch vorgetragene und immer
wieder unternommene Versuch, Goethe aus seiner Vormachtstellung
in der deutschen Kultur zu verdrängen;
- andererseits gelingt es den VertreterInnen der (Früh-)Romantik
nicht, der geschlossenen und formvollendeten Poetik Goethes
eine eigene geschlossene Poetik entgegenzustellen. [Härle]
Jüngere, Hoch- oder Spätromantik
Größtenteils unverbundene Gruppe von Dichtern.
Weniger spekulativ, stärker irrationalistisch.
Sie greifen öfters die Möglichkeiten, die durch
Goethes Wilhelm Meister eröffnet werden, auf und führen
diese weiter - wobei die Rückbindung in ironischer Brechung
sichtbar wird; man kann sie schon an den Titeln und den Namen
der neuen Helden ablesen, die auf den Titel Wilhelm Meisters
Lehr- und Wanderjahre und auf den sprechenden Namen Meister
ihrerseits ironisch reagieren:
Mit E.T.A. Hoffmann und seinen Künstlerfiguren kommt
der abgründige Zug der Romantik zu seinem Höhepunkt:
Um es abzurunden: die in der späteren Romantik
sich entfaltende Ausrichtung der romantischen Kunstidee einer
Poetisierung der Welt ist nur zu verstehen, wenn und indem
man sie als Idee versteht, deren Umsetzung jedoch mehr von
ihrer Unmöglichkeit als von ihrem Gelingen gekennzeichnet
ist. Anders gesagt: alle Versuche, die Romantik als die Epoche
der Idylle, der Harmonie, der vollendeten Natur-Poesie zu
verstehen, verfehlen die Romantik. Sie ignorieren die grundsätzliche
Zerrissenheit der Epoche, die sich als Grundzug durch die
literarischen Werke der Zeit zieht, ganz besonders bei den
Dichtern, die sich am wenigsten einer Strömung zuordnen
lassen, Jean Paul, Friedrich Hölderlin und Heinrich von
Kleist; aber auch bei jenen Dichtern der Romantik, die gemeinhin
als ur-romantisch gelten, wie z.B. Joseph von
Eichendorff. [Härle]
|